Biosprit und Biogas – die Retter?

Die Erzeuger von Biogas und Biosprit wittern mit der aktuellen Energiekrise gerade Morgenluft und hoffen auf neue Geschäfte. Dass es für eine merkliche Steigerung der Produktion überhaupt keine landwirtschaftlichen Flächen gibt, geht in der politischen Debatte unter. Die Marke „Bio“ scheint einfach zu überzeugend zu sein.

Vor mehr als 10 Jahren gab es schon viele Diskussionen um Biokraftstoffe. Die Politik hatte nach Lösungen gesucht, um die CO2-Emissionen im Verkehr zu reduzieren. Da waren natürlich Biodiesel aus Raps oder Ethanol aus Getreide willkommene Kraftstoffe.

Damals hatten wir (ZSW, Quelle der Grafik unten) einen sehr eindrucksvollen Vergleich gemacht: Für den Anbau der Pflanzen (z.B. Raps) um daraus Biodiesel zu erzeugen, braucht man einen halben Hektar landwirtschaftliche Fläche.  Damit kann Kraftstoff für den Betrieb eines modernen Dieselfahrzeug  für 12.000 km Fahrleistung pro Jahr erzeugt werden. Würde man alle 48 Millionen PKW in Deutschland mit Biodiesel betreiben, dann würde man dafür 24 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche benötigen (Dazu kommt nochmals die Hälfte für Nutzfahrzeuge oben drauf). Heute werden 16,6 Millionen Hektar der Fläche Deutschlands (insgesamt 35,8 Millionen Hektar) landwirtschaftlich genutzt. 2,3 Millionen Hektar werden für Energiepflanzen genutzt (Mais für Biogas, Zuckerrüben für E 10 Benzin und Rapsöl für Biodiesel). Da sieht man sehr schnell, dass die verfügbaren Flächen in Deutschland überhaupt nicht zum Bedarf an Biosprit passen: „Teller oder Tank?“ wird dann ganz schnell zur  entscheidenden Frage!

Um die gleiche Fahrstrecke mit einem Batterie-E-Fahrzeug, das den Strom direkt von einer Photovoltaik-Anlage laden kann, braucht man nur 20 Quadratmeter – 250-mal weniger Fläche als beim Biodiesel.

Woher kommt das?

Biomasse wie z.B. Raps entsteht aus Sonnenlicht, CO2 und Wasser über die sogenannte Photosynthese in der Pflanze. Dabei wird weniger als 1 Prozent des Sonnenlichtes ausgenutzt. Bei der Photovoltaik sind es mehr als 20%. Rechnet man die Verluste bei der Herstellung des Biosprits und diejenigen im Verbrennungsmotor mit ein, dann kommt man auf diesen extremen Unterschied beim Flächenverbrauch.

Können wir dann den Biosprit nicht aus anderen Ländern holen?

Genau das ist auch damals passiert, vor allem wegen der niedrigen Kosten der importierenden Länder: Bio-Ethanol kam aus Brasilien – dafür wurden Regenwälder gerodet. Palmöl für Dieselmotoren wird bis heute aus Indonesien geholt. Auch dort verschwindet dafür der Regenwald. Bei uns, wie in allen anderen Ländern, bleibt bei diesen industriell genutzten Flächen keine Platz für Biodiversität mehr übrig – die Grundlage für unser Leben!

Das Thema Biogas hatten wir bereits in einem früheren Blog analysiert – auch da könnte man über Strom aus Photovoltaik 30 mal mehr Energie erzeugen und sehr viel für die Biodiversität tun.

Fazit: Biogas aus Klärschlamm und Abfällen oder Biosprit aus verbrauchtem Speiseöl sind hilfreich. Bei den großen Energiemengen, die wir für Kraftstoffe oder Strom brauchen, sind Biogas und Biosprit das Gegenteil von „Retter“ – oder wie immer man das nennt!

Foto ARD Urwaldvernichtung – Palmöl für Biodiesel

 

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