CO2-Kompensationszahlungen – ein moderner Ablasshandel?

CO2-Emissionen mit etwas Geld kompensieren ist die einfachste Methode für die Klimaneutralität

Wer kennt das nicht: ein paar Euro mehr für den Urlaubsflug nach Malle, und schon ist das Gewissen beruhigt. Meine CO2-Emissionen werden einfach kompensiert. Ähnliches findet man heute fast überall, ob bei der online-Bestellung oder bei vielen Firmen, die sich dann als klimaneutral werbewirksam darstellen.

Aber wie werden meine CO2-Emissionen überhaupt kompensiert?

Tagesspiegel Background hat das in mehreren interessanten Beiträgen analysiert.

Wälder absorbieren weltweit fast die Hälfte der CO2-Emissionen. Dennoch macht der Waldschutz bislang nur etwa drei Prozent der internationalen Klimainvestitionen aus. Die freiwilligen Kompensationszahlungen machen einen Großteil der verkauften Zertifikate aus.

„Was passiert, wenn ein Wald in Flammen steht, der für die Kompensation von CO2-Emissionen geschützt oder aufgeforstet wurde? Vor dieser Frage stehen aktuell Unternehmen wie Microsoft und BP. In den Bundesstaaten Washington und Oregon brennen derzeit gleich mehrere Flächen, in welche die Firmen als Ausgleich für ihre Emissionen investiert hatten“ fragt der Tagespiegel Background in einem weiteren Beitrag. Was hat das für Konsequenzen auf meine CO2-Kompensation?

Wie zuverlässig sind denn die Kompensationszahlungen? Wie erfolgt die Berechnung? Die Analysen bringen einges an Ungereimtheiten zu Tage. Vieles muss kritisch hinterfragt werden.

Da wäre es doch viel besser, diese Mengen an CO2 erst gar nicht in die Luft zu blasen. Darüber sollte doch jeder von uns einmal nachdenken.

Viele der heute so beliebten Maßnahmen erinnern an den alten Brauch der katholischen Kirche: man nennt ihn Ablasshandel. Gegen eine Sühne, am einfachsten mit etwas Geld, werden mir meine Sünden vergeben und ich kann weitermachen wie bisher. Das war einer der großen Kritikpunkte von Martin Luther, als er 1517 seine 95 Thesen an der Schlosskirche von Wittenberg veröffentlichte.

Ein starker Hinweis an unseren heutigen Umgang mit dem Klimawandel: Jeder sollte sich seiner Klimasünden bewußt werden, in seinem Verantwortungsbereich aktiv werden und nicht auf einen bequemen Ablass hoffen.

Photo by Sharon McCutcheon on Unsplash

 

 

 

Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Wir informieren jeden Freitag über die neuesten Beiträge unseres Blogs.

Wir behandeln Ihre Daten vertraulich. Mehr in unserer Datenschutzerklärung.

1 Kommentar zu „CO2-Kompensationszahlungen – ein moderner Ablasshandel?“

  1. Rittmar von Helmolt

    Besser wäre: Bereits gefördertes Öl / Kohle einkaufen, an einem sicheren Ort vergraben und so dem Weltmarkt entziehen.
    Leider machen wir es in Deutschland andersherum – Deutschland ist immer noch Weltmeister in der Braunkohleförderung, das meiste davon für den Export! Schnell noch ausgraben und verkaufen; denn im eigenen Land verbrennen geht ja jetzt schon kaum noch…..ist das zynisch? (Anderswo ähnliche Situation, norwegisches Öl z.B.).
    Mit Aufforstung ist das jedenfalls nicht zu kompensieren, selbst wenn der Wald 500 Jahre stehen bleibt. Abgesehen davon wird auch das Verbrennen von Holz derzeit noch subventioniert.

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kontakt

Sie haben Fragen zum Projekt oder zu Wasserstoff im Allgemeinen? Sie möchten Wasserstoff in Ihrer Region unterstützen oder von Ihren Erfahrungen berichten? Sie möchten zu unserem Projekt beitragen? Melden Sie sich gerne jederzeit bei uns!

Scroll to Top