Daimler Truck setzt bei Bussen auf Wasserstoffantrieb – wieder einmal viel zu spät

… so lautet Teil 1 der Botschaft einer aktuellen Pressemeldung.

Die zunächst euphorisch klingende Nachricht erweist sich beim Lesen eher als eine Bankrotterklärung eines Traditionskonzerns. Warum?

Laut dem Bericht soll die Brennstoffzelle für die Busse nach dem LKW kommen, das heißt nach 2025, und sie soll nur bei Reisebussen eingesetzt werden. Stadtbusse sollen mit Batterien ausgerüstet werden, das sei besser als Wasserstoff.

Wo liegt das Problem?

Vor fast 20 Jahren hatte Daimler 36 Brennstoffzellen-Busse produziert. Sie waren  bei Kunden weltweit und über viele Jahre im Einsatz. Diese Kunden waren begeistert – doch Daimler wollte trotzdem nur noch Diesel-Busse verkaufen. Erst als chinesische Hersteller mit E-Bussen auf den deutschen und europäischen Markt drängten, waren die deutschen Hersteller zum Handeln gezwungen. Jetzt kommt noch die Clean Vehicle Direktive dazu, die Busbetreiber dazu zwingt, emissionsfreie Fahrzeuge anzuschaffen. Um Entwicklungskosten zu sparen, müssen jetzt die vielen Stammkunden von Daimler eben mit dem Batterie-E-Bus vorlieb nehmen, so wie sie bis vor kurzem noch mit einem Diesel-Hybrid-Bus vorlieb nehmen mussten: Denn etwas anderes hatte Daimler nicht – und Hybrid klingt doch gut! In der heutigen Situation bringt das aber nichts.

Dass emissionsfreie Busse immer teurer als Diesel-Busse sein werden, ist ebenfalls ein großer Trugschluss vom Daimler-Truck Vorstand: Die Kosten eines Produktes hängen nämlich primär von der produzierten Stückzahl ab. Die asiatischen Hersteller haben hierzu eine klare Strategie: Sie sind schon dabei, die Brennstoffzellen in Großserie und für alle Anwendungen zu fertigen. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis deren Busse unschlagbar konkurrenzfähig werden. Und grüner Strom und grüner Wasserstoff sind bei den Kosten heute schon attraktiver als der immer teurer werdende Diesel.

Bei den Aussagen von Daimler Truck kann man wieder einmal beobachten, wie mit Marktmacht und geschicktem Marketing Fortschritt verhindert wird.

Die vielen Konkurrenten wie Solaris aus Polen oder Caetano/Toyota werden die Chance nutzen und Stück für Stück den Markt erobern. Auch die chinesischen Bushersteller stehen mit Brennstoffzellen-Antrieben schon vor der Tür. Leidtragende sind mittelfristig die deutschen Mitarbeiter und Zulieferer der Traditionskonzerne.

Batterie-elektrische Busse sind für Stadtbusse durchaus eine vernünftige Option. Voraussetzung ist aber, dass die täglichen Fahrstrecken flach und überschaubar und die Winter nicht zu kalt sind. Zudem stellt sich noch die Frage, wo der grüne Strom für das nächtliche Laden im Busdepot herkommen soll. In vielen Städten wird das noch über viele Jahre Strom aus Gas- und Kohlekraftwerken sein. Was das bedeutet, wissen inzwischen alle.

So jedenfalls werden wir die Klimaziele nicht erreichen und unsere geopolitischen Abhängigkeiten nicht loswerden.

Bild: Daimler Truck

 

 

 

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3 Kommentare zu „Daimler Truck setzt bei Bussen auf Wasserstoffantrieb – wieder einmal viel zu spät“

  1. JA, Das stimmt leider – Daimler ist viel zu spät dran – und im PKW Segment geht es nur um die Low-hanging fruits, also alles auf BEV. Nicht gerade besser als Volkswagen _ doch, in gewisser Weise. Wenigstens bei Truck ist Wasserstoff noch angesagt – bei VW musste Traton ja zurückrudern. Wehe, wenn CEO so absolutistisch herrschen dürfen. Vorbild? Dann eher schon BMW, da ist noch mehr Eigentümerfamilie spürbar!
    BG Dr. Susanne Roeder

  2. Rittmar+von+Helmolt

    Genau so ist es. Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um als Hersteller ein spezielles Fahrzeug wie einen Stadtbus zu bauen, das ist zwar ein komplexeres Thema. Wir haben aber Busflotten im Realbetrieb vermessen auf verschiedenen Linien, Geographien und allen Jahreszeiten – und einige Profile werden Batteriebusse nicht schaffen; die Versorgung einer Ladeinfrastruktur ist zudem eine große eine Herausforderung. Viele Verkehrsbetriebe schaffen deshalb jetzt auch Brennstoffzellenbusse an, um die europäische Direktive zu erfüllen.

  3. ja das ist so ,
    darum haben wir in Liechtenstein 40 SOLARIS Busse gekauft. Weiters ist es in Deutschland & Europa sehr aufwendig H2 – Tankstellen zu bauen und es dauert zwei Jahre für Bus and Trucks Bewilligungen zu bekommen…
    wenn dann noch einer kommt und fragt können wir die H2 Bustankstelle **Energiemässig mit der Immobilie verbinden ** dann dauerts noch länger….. uns in Europa inkl. Schweiz fehlt schon lange die Ganzheitliche Ansicht einer Technologie, die Japaner (Toyota ) & (Hyundai) ,haben dieses nicht verlernt…..

    Mario Franz Schädler
    PS
    bin gerade das Buch von Werner Tillmetz am lesen, sehr Empfehlenswert…..

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