Die unglaublichen Geschichten des Professor X

Wer kennt sie nicht, die zahlreichen deutschen Medienberichte zur E-Mobilität mit Batterien und Wasserstoff. Renommierte Professoren erklären da ausführlich,  warum Wasserstoff für Autos überhaupt keinen Sinn macht. Die Vorträge und Reportagen sind anschaulich und überzeugend. Selten aber geschieht es, dass ein Journalist solche Aussagen anschließend kritisch hinterfragt. Sogar in Vorstandsetagen großer Konzerne wird die Produktstrategie an solchen Berichten ausgerichtet. Auch politische Parteien orientieren ihre Programme daran. Dann muss wohl alles richtig sein – oder?

Dabei geht es immer um Wirkungsgradketten (das sind alle Verluste, die von der Erzeugung  (des Stroms) bis zum Verbrauch entstehen), die sehr komplex sind und  auch von Experten kontrovers diskutiert werden. Je nach Annahmen, die meistens gar nicht erst genannt werden, kann man sich fast jedes Ergebnis zurecht rechnen.

Welche Technologien für die E-Mobilität sind nun gut oder schlecht? Halten die populären Analysen überhaupt ganz einfachen Fragen stand?

Beim Betrachten der typischen Grafiken, in denen  immer die Sonne scheint oder der Wind weht, wenn die Batterie des Fahrzeugs gerade geladen wird, sollte auch ein Laie schnell nachdenklich werden. Ein kurzer Blick aus dem Fenster hilft schnell zu erkennen, dass das mit der Sonne oder dem Wind sehr oft gar nicht zutrifft. Fließt dann der Strom aus der Photovoltaik, dann wird dieser zuerst einmal für die Waschmaschine, den Fernseher oder den PC gebraucht. Bleibt dann  überhaupt noch grüner Strom für das Laden des E-Autos übrig? In den dunklen, windarmen Wintermonaten wird es in unserer Region auch künftig fast unmöglich sein, ausreichend grünen Strom zu produzieren. Was machen wir jetzt, wenn Auto oder Stadtbus trotzdem geladen werden müssen? Dann holen wir eben den Strom aus Regionen, in denen viel mehr Sonne scheint oder Wind weht. Leider lässt sich Strom nicht in Tankern oder Pipelines transportieren, wie wir es heute mit dem größten Teil der importieren Energie machen. Das sind nur einige der Punkte, die mir so durch den Kopf gehen, wenn ich mir die plakativen Grafiken anschaue, die die batterie-elektrische Mobilität als die einzig selig machende preisen.

Eine zweite, sehr einfach zu recherchierende Erkenntnis ergibt sich beim berühmten Blick über den Zaun: warum investieren allen voran asiatische Automobilhersteller wie Toyota, Hyundai oder viele chinesische Firmen Milliarden in Wasserstoffantriebe? Auch Firmen wie Bosch, Renault oder Stellantis (Peugeot, Citroen, Opel, Fiat) geben sehr viel Geld für die Entwicklung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen aus und bringen die ersten davon auf den Markt. In all diesen Firmen gibt es intelligente Ingenieure, Kaufleute und Strategen, die sich sehr wohl etwas dabei gedacht haben und deshalb zu der Überzeugung gekommen sind, dass Wasserstoff eine attraktive Variante für viele Fahrzeuganwendungen ist.  Sogar die sogenannten e-fuels, die bei den Wirkungsgradbetrachtungen regelmäßig im Abseits landen, bieten  attraktive Chancen, wenn man eine durchdachte und ganzheitliche Analyse der künftigen Energieversorgung durchführt.

Zu guter Letzt: Welche Rolle spielen Wirkungsgradanalysen in unserer heutigen Welt? Wer kann mit dem Begriff überhaupt etwas anfangen? Wer  weiß zum Beispiel, welchen Wirkungsgrad die Kraftwerke haben, die unseren Strom liefern, oder der Verbrenner, mit dem wir unser Auto antreiben? Entscheidend sind immer die Kosten. Bei den grünen „Kraftstoffen“ der Zukunft kommt es auf die Kosten der Stromerzeugung und der Speicherung an, ebenso auf den Transport der Energie zum Fahrzeug und den Verbrauch. Eine ganzheitliche Betrachtung über alle Anwendungen, alle Tages- und Jahreszeiten hinweg und unter Nutzung attraktiver Standorte für grünen Strom zeigt, dass alle Kraftstoffe der Zukunft – nämlich Strom, Wasserstoff und e-fuels – viel Sinn machen.

Fazit: nur mit einer gut durchdachten, ehrlichen und technologie-offenen Diskussion werden wir erfolgreich die Zukunft gestalten können.

Bild: Uta Weik-Hamann

 

 

 

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