€ 4,50 für einen Liter eFuel! Stimmt das?

4,50 € pro Liter sollen klimaneutrale, synthetische Kraftstoffe, die sogenannten eFuels, kosten, so die Berechnung vieler Experten. Das ist natürlich ideales Futter für die Medien und immer gut für Schlagzeilen.

Der ADAC hat dazu kürzlich einen umfangreichen Bericht veröffentlicht. Die dort gezeigte Grafik des VDE unterstützt diese Behauptung und befeuert damit die so beliebte Diskussion vom hohen Wirkungsgrad der batterie-elektrischen Mobilität und gegen Wasserstoff und gegen die sogenannten eFuels. Hier wird die gesamte Kette von der „Kraftstoff“-Erzeugung bis zum Antrieb betrachtet:

Quelle Grafik: ADAC, VDE

Wenn jemand aber beispielsweise in der Bodenseeregion wohnt, dann wird er wohl so schnell keine Windkraftanlage finden, die der VDE für seine Berechnung hernimmt –  und schon gar keine, die auch noch Strom liefert, wenn man gerade die Batterie vom E-Auto laden möchte.  Mit Photovoltaik sieht es besser auf, aber nur wenn viel Sonne scheint, was in den Wintermonaten nicht so häufig und lang der Fall ist. Wo kommt dann der Strom her?

Die so beliebte Wirkungsgraddiskussion eignet sich deshalb nur als sehr theoretisches, beliebtes und gut zu verkaufendes Argument.

In der Grafik kann man erkennen, dass die Berechnung auf einer Windkraftanlage mit 2.000 Stunden Volllast gemacht wurde. Das ist typisch für Windkraftanlagen im Norden Deutschlands. Auf dieser Basis die Berechnung für die Herstellung von eFuels zu machen, führt tatsächlich zu sehr hohen Kosten. Aber warum sollten wir plötzlich den Kraftstoff, den wir heute fast vollständig importieren, in Deutschland herstellen?

Es gibt doch viele Regionen, in denen dreimal so viel Wind wie in Deutschland weht. Das heißt, dass sich dadurch die Kosten für die Herstellung von eFuel auf ein Drittel verringern. Damit sind wir bereits im Bereich der Zahlen, die Porsche für seine eFuel-Fabrik in Patagonien angibt (1,30 € in der ersten Ausbaustufe, und unter einem Euro in der nächsten Stufe). Interessant wird der Vergleich zu den aktuellen Spritpreisen, die ohne Steuern und Abgaben bei 1,11 € liegen! Die flüssigen eFuels lassen sich wie die heutigen fossilen Kraftstoffe mit Tanker und LKW direkt zur Tankstelle transportieren.

In dem Interview mit Porsche CTO Steiner findet sich eine gute Grafik um die Herstellung von eFuel aus dem CO2 der Luft und Wasserstoff aus grünem Strom zu erklären.

Quelle Grafik: Porsche, ADAC

Zurück zur Wirkungsgrad-Diskussion: dort werden die eFuels immer mit dem klassischen Verbrenner verknüpft. Der hat zwischen 20 Prozent (Benziner) und 25 Prozent (Diesel) Wirkungsgrad im normierten Fahrzyklus (nur für das Fahrzeug gerechnet). Lässt man den Verbrenner aber im optimalen Betriebsbereich arbeiten und kombiniert ihn geschickt mit einer Batterie und einem Elektromotor, dann lässt sich nochmals der Faktor zwei beim Wirkungsgrad – oder anders formuliert bei der Verbrauchsreduktion – herausholen.

Entscheidend am Schluss sind die Kosten pro gefahrenem Kilometer. Denn da unterscheiden sich die verschiedenen Antriebskonzepte nur geringfügig, ganz im Gegensatz zu der so beliebten Wirkungsgraddiskussion, die wir bei fossilen Kraftstoffen interessanterweise nie führen.

Fazit: wenn man die Kraftstoffe der Zukunft (Strom, Wasserstoff, eFuel) dort erzeugt, wo die Herstellung inklusive Transport und Speicherung am kostengünstigsten ist, und diese auch noch mit einem sehr effizienten E-Antrieb kombiniert sind, dann kann man über die Kosten schnell herausfinden, was der beste Antrieb für die jeweilige Anwendung (PKW, Bus, LKW) ist. Jedenfalls werden die Kosten aller grünen Kraftstoffe sehr ähnlich sein, und bei einer großtechnischen Produktion günstiger sein als aktuell die fossilen.

Bild: Uta Weik

 

 

 

 

 

 

 

 

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