Ladeinfrastruktur: Warum sich Verkehrs- und Energieminister streiten

Nach aktuellen Berichten herrscht bei den gerade laufenden Gesetzesvorhaben zur Ladeinfrastruktur Streit zwischen dem Verkehrsministerium und dem Energie- und Klimaministerium.

Worum geht es dabei?

Verkehrsminister Wissing muss schnell die Ladeinfrastruktur für die E-Fahrzeuge ausbauen um seine Klimaschutzziele zu erreichen: 15 Millionen PKW sollen in spätestens acht Jahren klimaneutral sein. Dabei geht es primär um die Förderung für die sehr teuren Schnelllade-Säulen für PKW und LKW. Die Fahrzeughersteller machen dabei mächtig Druck, damit sie auch ihre Kunden für E-Fahrzeuge begeistern können.

Minister Habeck hat dagegen zwei ganz andere Sorgen. Zunächst muss er bedarfsgerecht ausreichend grünen Strom zum Laden der E-Fahrzeuge bereitstellen, sonst wird es nichts mit dem Erreichen seiner Klimaschutzziele.  Wie das funktioniert steht noch in den Sternen, vor allem weil es das ursprünglich dafür vorgesehene Erdgas aus Russland nicht mehr geben wird. Das andere Dilemma ist der mit der Ladeinfrastruktur verbundene Ausbau des Stromnetzes und der notwendigen Stromspeicher. Das kostet unglaublich viel Geld und wird nach den aktuell gültigen Regeln einfach als Netzentgelt auf die Stromkunden umgelegt – das wäre nicht gerade sozialverträglich und dürfte auch dem Bundeskanzler und seiner Partei noch viel Kopfzerbrechen bereiten. In den letzten hundert Jahren war der Aufbau der Tankstellen-Infrastruktur von der Mineralölindustrie rein privatwirtschaftlich vorangetrieben worden. Heute scheint es so zu sein, dass die öffentliche Hand alles bezahlen soll – gerade so, als gäbe es ein Grundrecht auf öffentliches Laden oder Tanken.

Aufmerksame Zeitgenossen können sich noch an einen analogen Streit zwischen dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und dem der Energieversorger (BDEV) vor zwei Jahren erinnern. Damals ging es darum, dass die Stromversorger bei Engpässen in der Stromversorgung die Leistung der Ladesäulen drosseln können. Das gefällt den Fahrzeugherstellern natürlich nicht, wenn der E-Auto-Fahrer Gefahr läuft, statt der eingeplanten 30 Minuten Ladezeit plötzlich 90 Minuten Pause machen zu müssen. Damals hat der Wirtschaftsminister entschieden, dass die allgemeine Versorgungssicherheit Vorrang hat.

Trotz der vielen, sehr aufwändigen nationalen Strategie-Plattformen, wie der Nationalen Plattform Mobilität der Zukunft, scheint es den Verantwortlichen in Politik und Industrie nicht zu gelingen, ein durchgängig tragfähiges Konzept zu entwickeln. Ein weiteres Beispiel dafür ist der ganz aktuelle Beschluss des Europäischen Parlamentes, die Verwendung von grünen flüssigen Kraftstoffen, den sogenannten eFuels  für PKW und Transporter auszuschließen, ohne verstanden zu haben, wie dann der klimaneutrale Verkehr in Zukunft überhaupt funktionieren kann.

Bildquelle: ARD Tagesschau

 

 

 

 

 

 

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