Ökobilanz E-Mobilität: emotionsgeladen und oft falsch verstanden

Aufwendige Reportagen wie Umweltsünder E-Auto (vor kurzem auf Arte) berichten mit dramatischen Bildern über den Abbau von Rohstoffen in Südamerika oder Afrika. Dabei wird natürlich nach dem Schuldigen gesucht. Oft ist es die  E-Mobilität mit den Lithium-Batterien. Sogar Photovoltaik und Windkraft werden an den Pranger gestellt. Dass es dringenden Handlungsbedarf beim Abbau der Rohstoffe gibt, ist unbestritten. Die Schlussfolgerung, dass die E-Mobilität der Übeltäter  sei, ist in dieser Form irreführend und fahrlässig. Hier einige Beispiele, um das äußerst schwer zu durchschauende Thema der Ökobilanzen zu versachlichen:

  • Lithium-Batterien sind aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Jeden Monat werden mehr als 100 Millionen Handys produziert. Viele weitere  schnurlose Geräte, vom Akkuschrauber bis zum E-Bike, werden ebenfalls millionenfach produziert. Alle haben Lithium-Batterien eingebaut, die bis vor kurzem mehr Rohstoffe benötigten als die Akkus für die E-Autos. Dies wird in der Reportage völlig ausgeblendet.
  • die Menge Wasser, die für die Herstellung des Lithiums für den Akku eines E-Autos benötigt wird, entspricht der Menge Wasser, die für 250 g Rindfleisch oder für 10 Avocados oder für eine halbe Jeans gebraucht wird. Wussten Sie das?
  • Nur etwa ein halbes Prozent der 1,5 Milliarden Fahrzeuge, die heute auf den Straßen der Welt fahren, werden elektrisch betrieben.  Fast alle fahren mit fossilen Kraftstoffen, die unter immer bedenklicheren Bedingungen gefördert werden. Ölförderung aus Teersänden in Alberta oder durch Fracking in den USA sind die schlimmsten Varianten. Ganz zu schweigen von den CO2-Emissionen beim Betrieb. Hier ist die Ökobilanz dramatisch viel schlechter als beim E-Auto.
  • Kupferminen, die seit Jahrzehnten in Betrieb sind, konnten bislang gar nichts mit der E-Mobilität zu tun haben. Kupfer findet sich in ganz vielen Produkten.

Woran liegt es, dass die Umwelt- und Arbeitsbedingungen bei der Rohstofferzeugung  so kritisch sind? Das hat viel mit dem globalen Handel zu tun, der nach den Spielregeln der Industrienationen stattfindet. Die Entwicklungs- und Schwellenländer haben bislang keine Chance dies zu ändern. Weltweite Flüchtlingsströme sind eine der dramatischsten Folgen. Was können wir tun? Die Regierungen und die Bürger, die diese wählen, müssen sich dieser Zusammenhänge bewußt werden und die Spielregeln des Welthandels fair gestalten. Ein Beispiel ist das Lieferkettengesetz, das derzeit in der Bundesregierung diskutiert wird, nachdem die so beliebte freiwillige Selbstverpflichtung seit Jahren nicht funktioniert. Der eindrucksvolle und sehr gut recherchierte Spielfilm Oekozid zeigt auf, was in einigen Jahren passiert, wenn wir so weiter machen wie heute. Auf alle Fälle sind Erneuerbare Energien und E-Mobilität, ob mit Batterien oder mit Wasserstoff, wichtige Elemente einer zukunftsfähigen Wirtschaft – nachhaltige Rohstoffgewinnung und umfassendes Recycling vorausgesetzt.

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1 Kommentar zu „Ökobilanz E-Mobilität: emotionsgeladen und oft falsch verstanden“

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