Was wird klimaneutrales Autofahren kosten?

Auf allen Medienkanälen wird auf das Heftigste über Sinn und Unsinn vom Autofahren mit Strom, Wasserstoff oder e-fuel debattiert. 

Eine ganzheitliche Analyse findet man kaum oder nur ansatzweise, meist tief vergraben in der Fachliteratur. Hier ein Versuch, das Thema einfach und verständlich auf den Punkt zu bringen.

Die Vielfalt der Autowelt zeigt das Dilemma einer einfachen Analyse: Mit einem 2,5 Tonnen SUV mit 180 und wohltemperiert über die Autobahn donnern, oder mit einem kleinen Stadtfahrzeug beim Getränkehändler Nachschub holen – das Ergebnis könnte nicht unterschiedlicher sein.

Doch der Reihe nach: Was wird der CO2-freie Kraftstoff in Zukunft kosten?

Dazu sollte man zunächst die vielen Abgaben auf den Kraftstoff, die von den Regierenden regelmäßig erhöht werden, beiseite lassen. Heute kostet der Sprit von der Tankstelle etwa 50 bis 70 Cent pro Liter, je nachdem wie einig sich die erdölproduzierenden Länder beim Verkauf des Rohöls gerade sind. Diese  Kosten setzen sich zusammen aus der Erdölförderung, der Aufbereitung in der Raffinerie und dem Transport des fossilen Energieträgers mit Schiff, Bahn oder LKW. Steuern und Abgaben kommen dann obendrauf, und sie dominieren letztlich den Preis, den wir  an der Tankstelle bezahlen. Strom oder Wasserstoff sind derzeit von der Kraftstoffsteuer befreit.

Was also werden grüner Strom, Wasserstoff oder e-fuels dann kosten, wenn künftig alles in großen Mengen produziert wird?

Um einen Vergleich ziehen zu können, müssen wir die Effizienz (= Energieverbrauch) der verschiedenen Antriebe berücksichtigen. Am einfachsten vergleichen lässt sich das anhand der Kosten für eine Fahrt von 100 Kilometern. Bei den oben genannten aktuellen Spritkosten von 50 bis 70 Cent pro Liter und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 km, ergeben sich Kosten von 3,50 bis 4,90 € pro 100 km fossile Fahrt – wie gesagt: ohne Steuern und Abgaben.

Der Preis von grünen „Kraftstoffen“ hängt primär vom Preis des Stromes ab, der aus Wind, Sonne oder Wasserkraft erzeugt wurde. Der aber unterscheidet sich extrem vom jeweiligen Standort: In der Wüste oder an windreichen Küsten ist der natürlich viel billiger als beispielsweise in Süddeutschland. Dann muss die Energie zur Tankstelle/Steckdose transportiert werden und auch dann noch verfügbar sein, wenn wir gerade unser Auto laden oder tanken wollen.

Beim batterie-elektrischen Auto ist es natürlich ideal, den grünen Strom, der sonst nicht gebraucht wird, direkt an der Quelle (z.B. Photovoltaik auf dem Garagendach) zu laden. Häufig aber – z.B. nachts, einer Flaute oder bei Nebel – muss der Strom über eine stationäre Batterie oder in Form von Wasserstoff zwischengespeichert werden. Das verursacht natürlich zusätzliche, erhebliche Kosten, die in der öffentlichen Diskussion fast immer unter den Tisch fallen.

Den Kraftstoff Wasserstoff kann man zu Zeiten und in Regionen mit viel Wind und Sonne erzeugen und dann über Pipelines zur Tankstelle transportieren. Wird der Wasserstoff in Übersee produziert, dann wird er verflüssigt in großen Tankschiffen transportiert. Die Verflüssigung kostet natürlich viel Energie, wie wir es heute bereits von verflüssigtem Erdgas (LNG) kennen.

Für den Schiffstransport aus weit entfernten, sonnen- oder windreichen Regionen eignen sich bei normaler Umgebungstemperatur flüssige Kraftstoffe wie Methanol oder synthetisches Benzin – sogenannte e-fuels – am besten. Die Herstellung dieser Kraftstoffe vor Ort ist sehr energieaufwändig. Die sehr viel niedrigeren Stromkosten (im Vergleich zu  Mitteleuropa) und die niedrigen Transportkosten von der Quelle bis zur Tankstelle machen die Nachteile der aufwändigen Herstellung jedoch wieder wett.

Rechnet man die verschieden Varianten durch, stellt sich heraus, dass die „Kraftstoff“-Kosten immer im Bereich zwischen 4 und 5 € pro 100 km liegen werden. Das ist vergleichbar mit den heutigen Kosten für die Fahrt mit Benzin/Diesel und einem Verbrennungsmotor. Aus Sicht des „Kraftstoffes“ gibt es nur geringe Unterschiede zwischen Strom für das Batterie-Fahrzeug, Wasserstoff für das Brennstoffzellen-Fahrzeug oder e-fuels für einen optimierten Hybrid-Antrieb.

Aber wie sieht es bei den Kosten des Fahrzeuges aus?

Hier gilt die bekannte Regel, dass die Kosten eines technischen Produktes direkt mit der produzierten Stückzahl zusammenhängen. Bei vergleichbaren Produktionsvolumen werden die Kosten für die verschiedenen Antriebsvarianten sehr ähnlich sein. Für die großen Limousinen mit mehr als 500 Kilogramm Batterien an Bord, können allerdings Verfügbarkeit und Preis der Rohstoffe mittelfristig zu einem  Kostenfaktor werden.

Fazit:

Die aktuell sehr häufige und dogmatisch formulierte Forderung, dass nur batterie-elektrische Antriebe sinnvoll sind, entbehrt daher jeder Grundlage.

Bild: Uta Weik

 

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3 Kommentare zu „Was wird klimaneutrales Autofahren kosten?“

  1. Rittmar+von+Helmolt

    Sehr richtige Bemerkungen, aber 4-5 EUR/100 km ist sehr optimistisch. Die Kosten – bzw. Preise – werden möglicherweise sehr viel höher werden, weil die Verfügbarkeit CO2-armer Energie nicht mit den Zielen mithalten kann. Es kann daher, mindestens eine ganze Weile lang, Nutzungskonkurrenz und Knappheit den Preis mitbestimmen. Das ist politisch auch so gewollt, der Energieverbrauch muss auf etwa die Hälfte sinken. Grundsätzliche Betrachtungen zum Decarbonisierungspfad (keine Kosten) haben wir mal hier gemacht: https://mobex.io/webinars/hydrogen-and-the-accelerated-decarbonization-of-the-energy-system/

  2. Rittmar+von+Helmolt

    Die Vorkette bei Kraftstoffen wird in derEU übrigens außer acht gelassen. D. h. die Regeln sind so, dass Fahrzeuge lediglich im Betrieb kein CO2 ausstoßen dürfen. Damit scheiden e-Fuels in Europa aus.

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