Jahresdurchschnittswerte und die Energiewende

Analysen zur Energie- und Mobilitätswende basieren weitestgehend auf Jahresdurchschnittswerten. Damit wird aber die Situation sehr irreführend beschrieben!

Der Anteil grünen Stroms lag in Deutschland im letzten Jahr bei knapp 46 Prozent. 2020 waren es noch 50 Prozent, dieses Jahr könnten es sogar mehr als 50% werden.

Was bedeuten diese Zahlen?

Nimmt man die über das gesamte Jahr erzeugte Menge an grünem Strom und teilt sie durch die Menge des insgesamt erzeugten Stromes, dann entsteht diese Prozentzahl. Es handelt sich also um einen Durchschnittswert für das gesamte Jahr. An vielen Tagen liegt aber der Anteil des grünen Stroms zeitweise bei fast 80 Prozent und manchmal liegt dessen Anteil über Tage hinweg bei weniger als 20 Prozent. Das kann man in den Energy-Charts einfach nachprüfen. Auch bei einem regelmäßigen Blick aus dem Fenster und der Betrachtung der aktuellen Wind- oder Sonnenschein-Lage, kann sich jeder schnell von diesen altbekannten, natürlichen Schwankungen selbst überzeugen.

Was bedeutet das für die Stromversorgung, die sich ja nach dem Bedarf und nicht der Erzeugung richten muss?

Bevor wir uns dieser Frage widmen, kurz noch ein anderes Beispiel zu Jahresdurchschnittswerten: Die Durchschnittstemperatur lag im Jahr 2021 in Deutschland bei 9,1°C.  Welche Schlussfolgerung würde ein Unternehmer nur in Kenntnis dieser Zahl schließen? In Bademoden, Eisdielen oder Segelboote investieren? Bei dieser Temperatur kann das kein Geschäft sein. Wie die Realität aussieht, kann jeder für sich selbst beantworten.

Zurück zur Fragestellung der Stromversorgung: da reden alle nur vom Durchschnittswert, und der soll in den kommenden acht Jahren auf 80 Prozent Grünstrom steigen. Was das für die tägliche Realität bedeutet spielt in der öffentlichen Debatte keine Rolle. Dazu ein kleines Rechenbeispiel: Um die 80 Prozent grünen Strom zu erreichen, müssen wir die installierte Photovoltaik-Leistung um den Faktor 4 erhöhen. An vielen sonnigen Tagen produzieren wir heute schon zwischen 30 und 40 Gigawatt an Strom aus Photovoltaik. Hochgerechnet auf das Ziel bedeutet das dann tagsüber 120 bis 160 Gigawatt Strom – nur aus der Photovoltaik. Der Bedarf liegt aber nur im Bereich von 70 Gigawatt, an Wochenenden bei 50 Gigawatt. Idealerweise würde man den überschüssigen Strom für die Nacht speichern. Dafür bräuchte man mindestens 300 Gigawattstunden (GWh) an Speicherkapazität. Heute gibt es 3,5 GWh Batteriespeicher und 40 GWh Pumpspeicher. Letztere kann man nicht mehr weiter ausbauen und die Kapazität der Batteriespeicher um den Faktor 100 zu erhöhen, wird wohl etwas länger dauern! Den überschüssigen Strom in Form von Wasserstoff zu speichern, und diesen dann auch als Kraftstoff für Fahrzeuge zu verwenden, könnte daher sehr interessant sein. Die Bundesregierung hat aber nur mit 10 GW an Elektrolyse-Kapazität für 2030 gerechnet. Das reicht nicht einmal für den Windstrom im Norden der Republik.

Höchste Zeit zum Nachrechnen!

Bild: Uta Weik

 

 

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2 Kommentare zu „Jahresdurchschnittswerte und die Energiewende“

  1. Ja und wer sagt das mal den Politikern, die daran was ändern könnten? Alle reden und hoffen das qas passiert, aber scheinbar hört uns mal wieder keiner und die Politik macht ihre Politik und nicht für die Steuerzahler.

    1. BM Habeck hat den Anfang gemacht und der Bayerischen Regierung erklärt, dass es im Januar nicht so gut bestellt ist, mit dem Strom aus Photovoltaik.
      Leider haben die meisten Journalisten/Medien diese simplen Zusammenhänge nicht verstanden. Wenn es nicht in den Schlagzeilen steht, interessieren sich die Politiker nicht dafür.
      Noch schlimmer: eigentlich müssten sich die Netzbetreiber um das Thema kümmern. Aber die legen die Kosten einfach auf die Stromkunden um – das ist nicht so anstrengend.

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