Klima-Kipppunkte

Das Klima kippt.

Das merken wir immer deutlicher: Schon wieder ein Dürresommer mit extremer Hitze und massiven Einbussen der Ernte unserer Lebensmittel, ohne die wir nicht leben können. Die pakistanische Bevölkerung versinkt in den Fluten, mehr als 1.500 Menschen sind ertrunken, Millionen verlieren ihre Lebensgrundlage. Ian ist der bisher stärkste Hurrikan und verwüstet ganz Städte in Florida.

Die Liste wird immer länger und viele Klimaexperten erklären uns, dass wir immer näher an mehrere Klima-Kipppunkte kommen.

Was steckt hinter dem Begriff Klima-Kipppunkt?

Der Begriff wurde erstmals vor etwa 20 Jahren vom deutschen Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber  verwendet und beschreibt unumkehrbare Veränderungen, die unser Klima dauerhaft (über Hunderte von Jahren) massiv verändern werden. Das damit verbundene Artensterben ist noch dramatischer: einmal verschwunden heißt für immer verschwunden! Wikipedia fasst das Thema Klima-Kippunkte kurz und verständlich zusammen. Auch die vielen Details können Interessierte dort nachlesen. Ein Beispiel zur Einhaltung des 2°C Zieles zeigt die folgende Grafik:

Bis heute steigen die CO2-Emissionen kontinuierlich weiter  – trotz des Paris-Abkommens von vor sieben Jahren! Von der viel beschworenen Emissionswende sind wir immer noch sehr sehr weit weg. Um den eingezeichneten steilen Abstieg der CO2-Emissionen umzusetzen, braucht es noch mehr als viele Wunder.

Aber was bedeutet das Erreichen eines oder mehrere Kipppunkte für jeden von uns?

Diejenigen, die direkt von einer der aktuellen Klimakatastrophen betroffen sind – ob im Ahrtal, in Florida oder in Pakistan – erleben hautnah, was das bedeutet. Alle anderen verfolgen das Geschehen am Großbildschirm in HD-Qualität, bei Bier und Kartoffelchips und im warmen und trockenen Wohnzimmer. Wer es sich leisten kann, folgt einem der vielen Spendenaufrufe – das beruhigt das Gewissen und man kann weiter machen wie bisher. Irgendwie erweckt das den Anschein eines modernen Ablasshandels.

Warum verändern wir unser Verhalten nicht?

Schließlich sind wir – die reichen Industriestaaten –  mit unserem Lebensstil die Verursacher des Problems!

Ein Versuch, das zu erklären:

Den meisten von uns fehlt die Vorstellungskraft für die drohenden Veränderungen, trotz vieler sehr guter Reportagen und Spielfilmen zum Thema – unser Gehirn scheint nicht in der Lage zu sein, mittel- und langfristige Bedrohungen zu erkennen.

Zwei Beispiele zu den möglichen Konsequenzen für unsere Region:

Der Golfstrom bestimmt das moderate Klima in großen Teilen Europas und ermöglicht die Landwirtschaft, die wir seit Hunderten von Jahren kennen und die für unsere Ernährung essentiell ist. Der Golfstrom hat sich über die letzten Jahre schon deutlich abgeschwächt. Bricht er endgültig zusammen, dann bekommen wir ein typisches Binnenklima mit großer Kälte im Winter und oft extremer Hitze im Sommer – immer härtere Zeiten für diejenigen, die vom Obst- und Weinanbau leben.  Mancher wird sagen: „Ich kaufe meine Lebensmittel im Supermarkt. Und wenn die teuer werden, dann muss mich die Regierung retten, sonst mache ich Randale„. Eine ziemlich naive Vorstellung, aber schon heute sehr häufig die Realität – die Regierung ist immer an allem Schuld und muss es richten.

Das zweite Beispiel: Mit dem immer schnelleren Abschmelzen der Gletscher in Grönland und der Antarktis wird der Meeresspiegel ansteigen und Küstenregionen unbewohnbar machen. Heute wohnt aber der Großteil der weltweiten Bevölkerung an der Küste. Konsequenz: Die Flüchtlingsströme werden deutlich zunehmen – laut UNHCR sind ganz aktuell schon mehr als 23 Millionen Menschen auf der Flucht, weil Klimakatastrophen ihre Heimat vernichtet haben. Und wohin werden die Menschen fliehen? Dahin, wo es warme und trockene Wohnzimmer gibt. Wie viele Regierungen darauf reagieren, haben wir über die letzten Jahren schon eindrucksvoll erlebt!

Warum handeln die Politiker nicht vorausschauend?

Das liegt an uns Menschen und denjenigen, die die Politiker wählen. Die meisten von uns – ganz besonders in Deutschland – wollen keine Veränderung und schon gar nicht, wenn es uns gut geht. Wir wollen billige Energie und Wohlstand, und ansonsten soll alles so bleiben wie es ist. Wenn wir, die Wähler, keine Veränderung wollen, dann wird sich jeder Politiker davor hüten etwas zu verändern, sonst wird er nicht mehr gewählt.

Also weiter so – bislang ist ja noch mal alles gut gegangen!

Noch ein abschließender Hinweis an alle Führungskräfte – egal in welcher Organisation: Ihr habt eine Vorbildfunktion und seid diejenigen, die handeln müssen. Das entstehende Schlamassel  müsst auf alle Fälle Ihr ausbaden

Bild: Uta Weik

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