Kommentar: Wohin mit den Ladepunkten, woher mit dem Strom?

Etwa 14.400 traditionelle Tankstellen gibt es in Deutschland – Tendenz abnehmend. Zwar bleibt die Anzahl der Autobahntankstellen ungefähr gleich, doch umso stärker nehmen die sog. „Straßentankstellen“ ab. Den größten Umsatz – rund 60 Prozent- machen übrigens beide nicht mit Benzin oder Diesel, sondern in ihren Shops.
Um die aktuell im Verkehr befindlichen E-Autos mit Strom zu versorgen, wurden bisher knapp  30.000 öffentliche Ladestationen errichtet. „Viel zu wenig!“, wie ihre Besitzer finden, denn eigentlich sollten es laut Koalitionsvertrag bereits in diesem Jahr 100.000 sein. Denn nicht nur die Tankvorgänge an diesen Tankstellen dauern deutlich länger als bei den klassischen Verbrennern. Vielmehr haben Untersuchungen ergeben, dass die Fahrer*innen von E-Autos nur für einen geringen Anteil der Zeit, die sie ans Netz angeschlossen sind, auch tatsächlich laden. Kein Wunder: Wer passt in diesen „Zwangspausen“ schon darauf auf, wann die Batterien wieder voll sind? Vor diesem Hintergrund wird der Wunsch der vieler Besitzer von E-Autos verständlich, wenn sie sich ein Vielfaches der bisherigen Tankmöglichkeiten wünschen. Beim anvisierten Klimaziel und der angestrebten Anzahl von 10,5 Millionen E-Fahrzeugen heißt das: der Ladebedarf beträgt dann rund 1 Million (!) Ladepunkte im Jahr 2030, davon 40 Prozent öffentlich, der Rest privat – genügend Strom wird bei beidem benötigt. Dass die geplanten Schnellladestationen besonders viel Strom benötigen ist bekannt. Doch das vorhandene Netz – auch an den Tankstellen – gibt das nicht her. Und wer bezahlt an den Ratsstationen die Stromanschlüsse für LKWs?
Bei diesem Szenario wird klar: Der Anblick von ein paar Hundertausend Ladestationen im öffentlichen Raum wird in Zukunft zu unserem Alltag gehören. Der entsprechende Flächenverbrauch wird ein weiteres Zugeständnis an unseren meist privaten Mobilitätsanspruch sein, den wir (noch) über den Besitz eines eigenen Autos definieren  (auch ich:-)
 
Nicht zuletzt deshalb spricht einiges dafür, neben dem wachsenden Markt für Brennstoffzellen-Busse und -LKWs auch entsprechende PKWs in den Fokus zu nehmen. Analysen der Nationalen Plattform Mobilität der Zukunft zufolge könnte sich der Bestand von Brennstoffzellen-Fahrzeugen im Jahr 2030 aus 1,4 Millionen PKW und 400.000 Nutzfahrzeugen zusammensetzen. Um diesen Bedarf rein mit „grünem“ Wasserstoff zu decken, wären 5,7 bis 6,4 GW Elektrolyse-Leistung zum Beispiel bei 3.500 Betriebsstunden mit Windenergie erforderlich. Die Installation dieser Leistung kann nach Einschätzung der Elektrolyse-Hersteller erreicht werden.
Deshalb also zurück zur Anzahl der Tankstellen. Der Bedarf für den Schwerlastverkehr im Jahr 2030 wird mit 200 bis 400 Tankstellen an den Hauptverkehrsrouten angenommen, wobei die Anzahl an Zapfstellen je Tankstelle mit erhöhter Fahrzeugzahl ansteigen muss. Für die angenommene Anzahl an Brennstoffzellenfahrzeugen von 1,8 Mio. im Jahr 2030 beläuft sich der Bedarf auf 500 Tankstellen, die für den Fahrzeughochlauf eine annähernd flächendenkende Infrastruktur darstellen und so für ausreichend Akzeptanz sorgen würden.
Die Kosten von Wasserstofftankstellen werden mit 1 Mio. € (1 Zapfstelle) bis circa 3 Mio. € (8 Zapfstellen) bei 1.000 kg / Tag Betankungskapazität angenommen, der Platzbedarf beträgt ca. 100 qm.

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