Kommunen haben ihre Liebe zur Photovoltaik entdeckt

Die Berichte häufen sich: viele Bürgermeister und Landräte sind inzwischen wild entschlossen, möglichst viel Sonnenstrom in ihrer Gemarkung zu ernten.

Das ist sehr lobenswert!

Dabei ist schon bemerkenswert, welch großen Einfluss hohe Strompreise – ausgelöst durch den russischen Krieg und die daraus resultierenden hohen Gaspreise  – auf Entscheidungen haben. Die seit Jahrzehnten bekannten und immer dramatischeren Berichte und Erlebnisse rund um den Klimawandel haben dagegen (fast) nichts bewirkt. Sobald es aber ums Geld geht, werden Bürger und Verantwortliche ganz schnell aktiv.

Zurück zum Ausbau der Photovoltaik, die weltweit und auch in Deutschland enorm an Fahrt aufgenommen hat. Entlang von Autobahnen und Eisenbahnstrecken entstehen große PV-Flächen und die Betreiber freuen sich über das gut verdiente Geld mit den hunderttausenden Kilowattstunden kostengünstigem und grünem Strom. In den vielen Medienberichten fällt eines auf: Der Unterschied zwischen der über einen bestimmten Zeitraum (meist jährlich) produzierten Energie – das sind die Kilowattstunden – und der Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt das sind die Kilowatt – fällt vielen Zeitgenossen ziemlich schwer. Bislang war das auch kein großes Thema, der erzeugte Sonnenstrom war im Vergleich zum  Strom aus dem traditionellen Kraftwerk unbedeutend, und die Inhalte aus dem Physikunterricht damit für den Alltag nicht relevant.

Inzwischen wird es allerdings immer wichtiger, sich über Energie und Leistung doch ein paar Gedanken zu machen.

Warum?

In unserer Region scheint die Sonne an etwa 1.800 Stunden im Jahr – manchmal mehr, manchmal weniger, auf alle Fälle nicht in der Nacht. Wir haben uns aber daran gewohnt, dass der Strom an 8.760 Stunden im Jahr aus der Steckdose kommt. Zur Mittagszeit und bei wolkenlosen Himmel gibt es dann besonders viel Sonnenstrom – die eingespeiste Leistung ist hoch. Bei großen Solarfeldern oder wenn sehr viele Dächer in einem Stadtviertel mit Photovoltaik ausgerüstet sind stellt dies die Betreiber der Stromnetze immer mehr vor erhebliche Herausforderungen. Das Verteilnetz kann diese temporär sehr hohen Leistungen nicht mehr aufnehmen und der gute grüne Strom muss abgeregelt werden.  Eigentlich müsste das Stromnetz mit dickeren Kupferleitungen schnell ausgebaut werden – das ist aber sehr teuer.

An vielen Tagen produzieren wir heute schon mehr grünen Strom als wir zeitgleich verbrauchen. Mit dem zügigen Ausbau von Sonnen- und Windstrom gibt es deshalb immer mehr Strom, der temporär nicht benötigt wird.

Vielen Studien gehen davon aus, dass man lokal überschüssigen Strom dort hin transportiert, wo er gerade gebraucht wird. Nachdem ganz Europa (und auch Afrika) innerhalb von nur sehr wenigen Zeitzonen lebt, scheint in fast ganz Europa gleichzeitig die Sonne oder es ist gleichzeitig dunkel. All unsere Nachbarn setzen ebenfalls auf Strom aus Photovoltaik. Da helfen dann auch noch so viele und gute Stromleitungen beim Verteilen des vor Ort nicht benötigten Stromes nicht weiter. Irgendwo muss er gespeichert werden.

Nachts und an nebligen oder regnerischen Tagen, das sind die restlichen 7.000 Stunden im Jahr,  fehlt dann der grüne Strom. Oft aber werden dann genau zu dieser Zeit die Batterien von Stadtbussen, LKWs und PKWs aufgeladen. Dafür muss dann das Netz auch wieder hohe Leistungen zur Verfügung stellen, jetzt in der anderen Richtung, hin zum Verbraucher.

Was wir also sehr dringend brauchen sind Stromspeicher! Aber welche?

Batterien machen nur Sinn, wenn es um den Strombedarf für wenige Stunden geht. Pumpspeicher-Kraftwerke gibt es viel zu wenige, und für neue fehlen die notwendigen Berge. Dann könnte man noch den überschüssigen Strom einfach in Wärme umwandeln. Das macht aber nur Sinn wenn es einen ausreichenden Bedarf an Wärme gibt, was im Sommer meist nicht der Fall ist. Wärme über lange Zeiträume zu speichern ist ebenfalls kaum machbar.

Bleibt nur noch die dezentrale Erzeugung von Wasserstoff übrig. Diesen kann man relativ gut über lange Zeiträume speichern, in das vorhandene Gasnetz einspeisen oder für den Verkehr als Kraftstoff nutzen,

Fazit: Liebe Bürgermeister und Landräte, denkt beim Ausbau der Photovoltaik auch an die notwendige Speicherung des Stromes. Nehmt dafür auch die regionalen Netzbetreiber in die Verantwortung. Ansonsten landen die Kosten für das Abregeln des überschüssigen Stroms wieder beim Stromkunden. Genau das wollten wir ja vermeiden.

 

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