Wasserstoff in der Landwirtschaft

Die Frage nach Wasserstoff in der Landwirtschaft war eine der ersten Anregungen auf unsere Umfrage zum Newsletter.

Da habe ich mich doch gleich ran gemacht, um diesem Wunsch nachzukommen.

Als erstes fallen mir da die Traktoren ein. Gibt es emissionsfreie E-Traktoren mit Batterien oder mit Brennstoffzellen?

In den 1960er Jahren gehörten Traktoren zu den ersten Demonstratoren für Elektroantriebe mit Brennstoffzelle. Das waren damals die amerikanische Technologiefirma Allis Chalmer und die TU Dresden. Zu dieser Zeit lag das primäre Interesse für Brennstoffzellen aber in der Raumfahrt (Gemini und Apollo Programm). Inzwischen bietet die kalifornische Firma Solectrac batterieelektrische Traktoren an.  Die Firma Fendt hat einen Prototypen präsentiert, den Fendt e100Vario .

Elektrotraktoren sollten bald für viele Landwirte attraktiv werden. Die meisten haben Photovoltaik-Anlagen auf ihren Scheunen montiert. Immer mehr dieser Anlagen fallen in den nächsten Jahren aus der EEG-Förderung und dann ist es ideal, wenn man seinen eTraktor und natürlich auch das eAuto mit billigen Strom vom eigenen Dach aufladen kann – das ist billiger als steuerbefreiter Diesel und dazu noch gesünder.

Das bei weitem wichtigste Produkt in Zusammenhang mit Wasserstoff in der Landwirtschaft ist der Kunstdünger. Dieser wird aus Ammoniak hergestellt und entsteht wiederum durch die Reaktion von Wasserstoff mit Stickstoff aus der Luft (Haber-Bosch-Verfahren). Der dafür notwendige Wasserstoff wird bis heute fast ausschließlich aus Erdgas produziert – das bis vor Kurzem sehr billig war. Dabei entstehen allerdings große Mengen an klimaschädlichem CO2. Würde man den Wasserstoff anstatt aus Erdgas über die Elektrolyse von Wasser mit Strom aus Sonne oder Wind erzeugen, dann würde der Kunstdünger sehr viel umweltfreundlicher werden. Dazu gibt es ganz aktuell sehr große Anstrengungen. So produziert beispielsweise der spanische Energieversorger Iberdrola in der Gemeinde Puertollano (250 Kilometer südlich von Madrid) in einer ersten Anlage 3.000 Tonnen grünen Wasserstoff, der dann vor Ort für die Produktion von Düngemitteln verwendet wird.

Ein letztes Thema, das in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen wird: der Ausbau der Photovoltaik auf Ackerflächen und eine daran angekoppelte Wasserstofferzeugung. Heute werden in Deutschland auf 2,3 Millionen Hektar Energiepflanzen angebaut. Das ist zum größtenteils Mais für Biogasanlagen und Zuckerrüben bzw. Weizen für Industriealkohol (E10 Benzin). Würde man diese Flächen für Photovoltaik nutzen, dann könnte man damit doppelt so viel Strom erzeugen wie ganz Deutschland heute pro Jahr braucht. Die Details dazu hatten wir in einem früheren Beitrag zusammengestellt. Für Landwirte ist das attraktiv: hohe Pachterträge und keine Ausgaben für Spritzmittel und Dünger. Und die Natur freut sich über sehr viel Biodiversität unter den Solarmodulen..

Auch die Kombination aus Photovoltaik und dem Anbau von Lebensmitteln, die so genante Agri-PV, gewinnt immer mehr Freunde. Die Pflanzen werden vor dem immer extremeren Wetterbedingungen geschützt und man kann zweimal ernten: Lebensmittel und Strom.

 

Nachdem es immer schwieriger wird, den Strom aus vielen Photovoltaik-Anlagen ins Netz einzuspeisen und dafür zeitgleich Verbraucher zu finden, bietet sich die dezentrale Erzeugung von Wasserstoff an. Dieser kann dann als Kraftstoff für Busse, Transporter oder LKW zum Einsatz kommen oder in das Erdgasnetz eingespeist werden.

Fazit: Der Landwirtschaft kommt auch bei Wasserstoff eine Schlüsselrolle zu.

 

Titelfoto: Solartrac

 

 

 

 

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