Biogas, ist das die Rettung? Bio-Wasserstoff mit Sicherheit!

Biogas ist alles andere als „Bio“. Mit Photovoltaik auf den heute mit Mais bepflanzten Flächen ließe sich ein Vielfaches an Strom erzeugen, der auch noch einfach als Wasserstoff für den Winter gespeichert werden kann.

Biogas kann uns retten, das könnte man bei der Lektüre einer aktuellen Studie des Deutschen Biomasse Forschungszentrums meinen: „Biogas könnte fast die Hälfte der Stromproduktion aus Gaskraftwerken ersetzen“

Das hört sich doch auf den ersten Blick sehr gut an. Der Begriff „Biogas“ suggeriert auch noch sehr viel Positives. Mit ein paar Klicks bei Google und den richtigen Begriffen kann Mann/Frau allerdings viel Interessantes zum Thema finden.

Heute wird  Strom aus den Biogas-Anlagen weitestgehend konstant mit einer Leistung von etwa 4,5 Gigawatt ins Stromnetz eingespeist. Die (sehr aufwändige) Umstellung auf eine bedarfsgerechte  Stromerzeugung aus Biogas ist Kern der oben genannten Studie. Heute produzieren Biogasanlagen in Deutschland 43 Terrawattstunden (TWh) Strom. Das sind etwa 9 Prozent der gesamten Stromerzeugung in Deutschland und damit fast so viel, wie 2021 mit Photovoltaik erzeugt wurde (48 TWh) und auch deutlich mehr als die drei noch verbliebenen Atomkraftwerke (ca. 30 TWh). Gaskraftwerke lieferten letztes Jahr bedarfsgerecht etwa 50 TWh an Strom. Die Zahlen findet man alle auf energy-charts.de.

Als nächstes stellt sich daher die Frage: Woher kommt eigentlich das Biogas?

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) ist da sehr hilfreich.  Wie die folgende Grafik zeigt, kommen etwa jeweils die Hälfte aus den sogenannten nachwachsenden Rohstoffen und aus Gülle bzw. Mist.

Gülle und Mist sind das Ergebnis der vielen, oft riesigen Tierhaltungen, die das Tierfutter in großen Mengen aus fernen Ländern (z.B. jährlich 1,6 Millionen Tonnen Soja aus Brasilien und dort zu Lasten der für das Weltklima so wichtigen Urwälder)  importieren, und nicht genügend eigene Felder haben, auf denen Gülle und Mist zur Düngung verwendet wird, wie das zu einer nachhaltigen Landwirtschaft gehören würde.

Die nachwachsenden Rohstoffe kommen zu drei Viertel von Maisfeldern, die man getrost als ökologische Wüste bezeichnen kann.

Biogas hat also absolut nichts mit ökologischem Landbau und Nachhaltigkeit zu tun.

Die oben zitierte Studie des Deutschen Biomasse-Forschungszentrum kann sich – wie viele andere das auch gerne machen – einen Seitenhieb gegen Wasserstoff nicht verkneifen. Dieser würde mit dem aktuellen Strommix eine deutlich schlechtere Klimabilanz haben als Biogas – eine völlig abstruse Betrachtungsweise.

Dazu eine kleine Rechnung: Energiepflanzen wachsen auf 2,3 Millionen Hektar Land (siehe Grafik des FNR unten; das sind primär Mais für die Biogasanlagen, sowie Weizen/Zuckerrüben für Ethanol im E 10 Benzin und Rapsöl für Biodiesel).

 

Würde man auf diesen Flächen statt Mais & Co Photovoltaik-Anlagen installieren, dann könnte man damit etwa 1.150 Terrawattstunden an Strom erzeugen (bei 500 MWh/ha). Das ist gigantisch im Vergleich zu den 43 TWh aus Biogas und mehr als das Doppelte der gesamten heutigen Stromerzeugung in Deutschland. Da Strom sich so schlecht speichern lässt und wir auch nachts und bei schlechtem Wetter Energie zur Verfügung haben wollen, wandeln wir den Strom einfach in Wasserstoff um. Aus 1.150 TWh Strom könnte man 23 Millionen Tonnen Wasserstoff  produzieren. Was macht man mit soviel Wasserstoff?

  • z.B. 300 TWh Strom bedarfsgerecht über Gasturbinen erzeugen. Das ist 6 x soviel als wir 2021 aus Erdgas bereit gestellt haben!
  • oder alle PKW und Nutzfahrzeuge in Deutschland mit Wasserstoff versorgen. Dann müssen wir den  Strom für die geplanten batterie-elektrischen Fahrzeuge gar nicht erst produzieren!

Auch für den Anbau von Getreide würden dann noch konvertierte Maisäcker übrig bleiben.

Dabei sollten wir nicht vergessen: PV-Freiflächen dienen als wertvolle Biotope der Biodiversität oder können auch als Schafweide genutzt werden – ein riesiger Vorteil im Vergleich zum Maisacker.

Wasserstoff aus Photovoltaik-Strom auf konvertierten Maisäckern erzeugt könnte man dann ganz ehrlich als Bio-Wasserstoff vermarkten!

Unglaublich, wie relativ einfach unsere Energieprobleme gelöst werden könnten – einfach mal nachrechnen und umsetzen.

Hinter diesen erstaunlichen Zahlen steckt ein einfaches physikalisches Gesetz: Die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom ist um den Faktor 30 (= 3.000 Prozent) effizienter als die Erzeugung von Biomasse über die Photosynthese und deren Umwandlung in Strom über Wärmekraftmaschinen (Gasmotoren, Turbinen etc.).

P.S. Physikalische Gesetze lassen sich zum Glück nicht durch Lobbyisten manipulieren und werden sich am Ende immer bewahrheiten!

Fotos: privat

 

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4 Kommentare zu „Biogas, ist das die Rettung? Bio-Wasserstoff mit Sicherheit!“

  1. Ulrich Jöckel

    Es ist schon frustrierend, wie die Lobbyisten und KFZ-Hersteller sich in ihren eigenen Netzen verfangen. Die Batterie soll die riesigen Mengen an Energie speichern. Kabelnetze sollen die Grundlage der Versorgung sein, und Hochvolt in den KFZ die Leistung generieren. Eine Sackgasse mit „Sack-Personen“, welche die Vergangenheit noch in die Zukunft retten wollen.
    Dazu ein kurzer Reim:
    Dümmer geht‘s nimmer😂
    Vielen Dank für informativen Berichte

  2. Zum Thema Biogas-Maisanbau:
    Auch der laufende Arbeits- und Maschinenaufwand zur Biogas-Bereitstellung ist enorm hoch – und wäre bei gut positionierten Freiflächen – PV – Anlagen um ein vielfaches geringer – nebenbei könnten Landwirte wieder sinniger und naturnaher Produzieren.
    Egal – ob Lämmer, Hühner, oder das was ein biologisch wieder aufgebauter Boden so hergeben würde….

    Beste Grüße
    Jogi Seitz
    Stockartsbühl

    1. Zum Thema Biogas-Maisanbau vom 14,August 2022:

      Wie ein Maisacker ökologisch und energetisch deutlich besser funktionieren und aussehen könnte, ist im Newsletter vom 19.08.2022 sehr anschaulich dargestellt (Fotos) und beschrieben worden.

      Wohl dem, der die Flächen hat und an das „Umdenken“ angehen will.

      Jogi Seitz
      Lindau

  3. Pingback: Die Stromlücke – h2connect.eco

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