Weltpremiere: Niedersachsen schreibt mit 14 Wasserstoffzügen „Eisenbahn-Geschichte“

Im März 2022 hatten wir bereits stolz berichtet, dass ab 2024 endlich auch im Allgäu ein mit Wasserstoff betriebener Zug eingesetzt wird. Seine Vorteile: Rund 1000 Kilometer Reichweite und damit genug für das übliche Tagessoll, keine langwierigen Genehmigungsverfahren u.a. wegen Eingriffen in die Landschaft bei der Elektrifizierung, ausgereifte Technik, schnelle Betankung und lange Lebensdauer – und vor allem: emissionsfrei.

Nun mag es Zufall sein, dass demnächst die Landtagswahlen in Niedersachsen stattfinden. Jedenfalls hat Stephan Weil, der Ministerpräsident des Landes, die Gelegenheit genutzt, um 6 Wochen zuvor – nämlich am 24. August – in Bremervörde die erste Flotte von Wasserstoffzügen an den Start zu bringen. Fünf davon fahren bereits, bis zum Jahresende liefert der französische Konzern Alstom die restlichen neun Züge. Zurecht hebt die zuständige Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachen (LNVG) die Bedeutung dieser Entscheidung hervor:  

„Damit werden 1,6 Millionen Liter Diesel pro Jahr nicht mehr verbraucht, damit werden 4400 Tonnen CO2 nicht mehr erzeugt.“

Und damit wird auch den bisherigen Dieselfahrzeugen auf der 126 Kilometer langen Strecke endgültig der Garaus gemacht. Das Bundesland Niedersachsen ist damit das weltweit erste Netz, auf dem die Züge im Nahverkehr mit Wasserstoff betrieben werden, denn „alle Strecken ohne elektrische Oberleitung, auf denen Dieseltriebzüge fahren, sind Kandidaten für Wasserstoffzüge.“

Hersteller Alstom hat mit seinem Corodia-iLint – für den es inzwischen 41 Bestellungen gibt – diesen „Strecken-Erfolg“  ermöglicht. Die Wasserstoff-Tankstelle wurde von Linde errichtet.

Konkurrent Siemens mit seinem Mireo Plus H befindet sich noch in der Entwicklung, hat aber seinen ersten Auftrag für die ersten sieben Züge in der Tasche. Ab dem Herbst 2024 werden diese Züge bei der Heidekrautbahn in der Region Berlin-Brandenburg für einen klimafreundlichen öffentlichen Regionalverkehr sorgen.

Europaweit sind noch sehr viele Bahnstrecken nicht elektrifiziert.  Nur unsere Nachbarn Schweiz und Österreich sind mit der breiten Elektrifizierung eine rühmliche Ausnahme und können dank ihrer vielen Wasserkraftwerke die Züge jederzeit mit grünen Strom versorgen.

In allen Ländern, die ihren grünen Strom primär aus Wind und Sonne erzeugen (werden), sind Wasserstoff-basierte Antriebe die beste Möglichkeit zu jeder Tages- und Jahreszeit grüne Energie nachtanken zu können. Auch für die Hersteller der damit verbunden Produkte (Brennstoffzelle, Elektrolyse, Wasserstoff-Infrastruktur) eröffnen sich attraktive und zukunftssichere Märkte.

Notabene: In Bayern beträgt die Länge der Eisenbahnstrecken 6.427 Kilometer. Elektrifiziert davon ist etwas mehr als die Hälfte.

Da stellt sich die Frage: Ob der zähe Verlauf der bayerischen Absicht, den Bahnverkehr irgendwann emissionsfrei zu machen, vielleicht doch schneller und billiger zu haben wäre, wenn dem geplanten Wasserstoffzug ein paar „H2-Zug-Kollegen“ zur Seite gestellt würden? Falls es nur am Geld liegt, lohnt vielleicht ein Blick auf die Pro-Kopf-Investitionen in die Bahn-Infrastruktur von anderen europäischen Ländern…

Photo: Alstom,  ZDF

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