Auf Hydrofoils über den Bodensee?

Am Bodensee bieten Schiffsreisen eine sehr schöne Alternative zur Autofahrt. Um an das Seeufer gegenüber zu gelangen oder einfach von Ort zu Ort dem See entlang zu reisen gibt es vielfältige Möglichkeiten. Wenn wir in die Zukunft der Schifffahrt schauen entsteht derzeit viel Neues, das auch für den Bodensee interessant wird.

Wollen wir zuerst über die Form des Schiffsrumpfes nachdenken. Es braucht recht viel Energie, um ein Schiff durchs Wasser zu bewegen. Es sind meist Einrumpfboote, die entweder als bauchige Verdränger langsam das Wasser durchpflügen, gefangen in ihrem eigenen Wellensystem, oder als flache Gleiter übers Wasser flitzen. Die Gleiter benötigen jedoch ein Vielfaches der Energie, um sich auf die Wasseroberfläche zu heben. Verbrennungsmotoren mit 300 PS und mehr sind deshalb hier am Bodensee keine Seltenheit. Sie erzeugen großen Lärm, sehr viel Abgase und starke Wellen.

Doch wie geht die Entwicklung weiter? Am Bodensee sind schon seit 2005 zwei Katamarane unterwegs. Als Passagierfähren verbinden sie Friedrichshafen mit Konstanz in knapp einer Stunde Fahrzeit. Mit ihren zwei schmalen Rümpfen erzeugen sie weniger Widerstand im Wasser. Mit der gleichen Antriebsleistung können sie deshalb wesentlich schneller fahren als Einrumpfboote. Selbstverständlich könnten sie auch langsamer fahren, um dann deutlich weniger Treibstoff zu verbrauchen.

Nun gehen die Konstrukteure gerne immer noch einen Schritt weiter. Sie haben sich an die Tragflächenboote erinnert, wie sie früher am Gardasee oder im Mittelmeer für Überfahrten mit einer Reisegeschwindigkeit von 60 km/h und mehr angeboten worden sind.

Tragflächenboot Foto: Arno Winter

Tatsächlich kann der Widerstand mit Hydrofoils, also diesen schmalen Unterwassertragflächen am Schiffsrumpf, noch weiter reduziert werden, sobald sich das Boot aus dem Wasser gehoben hat. Für den Start braucht es aber erst einmal eine hohe Antriebsleistung und danach eine gleichbleibend hohe Geschwindigkeit, um den nun widerstandsärmeren Schwebezustand aufrecht zu erhalten.

Wir alle haben seit 2013 die sensationellen Rennen der Americas Cup Segelkatamarane im Fernsehen verfolgt, die Dank ihrer Hydrofoils mittlerweile schon die 100 km/h Marke geknackt haben, und das ganz ohne Motor…

Damit sie ihren schnellen Rennsegelbooten besser folgen können hat das Team Emirates aus Neuseeland jetzt ein neues Begleitmotorboot mit Hydrofoils konstruiert und im April 2022 vor Auckland getestet. Mit Elektromotoren und Wasserstoff Brennstoffzellen zur Stromerzeugung ist dieser Prototyp voll auf der Höhe der Zeit.

Zurück an den Bodensee: man darf hier aus gutem Grund mit einer Geschwindigkeit von höchstens 40 km/h fahren. Auf dem See gibt es viele Schwimmvögel, kleine Sportboote, Angler und Badende, auf die man sehr aufpassen muss. Es gibt also keine Veranlassung, gerade hier bei uns mittels Hydrofoils Geschwindigkeitsrekorde zu brechen.

Vielmehr wollen wir die Emissionen senken durch den geschickten Umbau der Antriebe vorhandener Schiffe und den Neubau von effizienteren Schiffen.

Katamaranfähren und -linienschiffe setzen sich weltweit durch

So ist es kein Wunder, dass auch das neue Elektroschiff der BSB, die „MS Artemis“ als Katamaran entworfen worden ist. Mit dem geringeren Wasserwiderstand wird die Passagierfähre mit reinem Elektroantrieb und einer Batterie mit 1.000 kWh Energieinhalt bald die Linie Uhldingen – Mainau bedienen, mit einer angemessenen Geschwindigkeit von 17 km/h. Für größere Entfernungen müsste man eine noch viel größere Batterie einbauen, was nicht mehr praktikabel wäre. Auch für Sportmotorboote wird die Katamaran Bauform heute vermehrt angeboten.

Für die längeren Strecken hier am Bodensee werden auch diese effizienten Katamarane am besten angetrieben durch Elektromotoren und von Wasserstoff Brennstoffzellen mit Strom versorgt.

Nicht zu vergessen gibt es neben den vielen Motorbooten am Bodensee auch noch die traditionell emissionsfreien Segelboote. Um auch hier einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, wenn der Wind einmal ausbleibt, bieten kleine Elektromotoren mit Batterien einen guten Ersatz für die vielen stinkenden Aussenborder und Einbaumotoren. Auch für diese Leistungsklasse werden schon erste Gensets zum Nachladen mittels Brennstoffzellen angeboten.

Moderne Schiffe flüstern und stinken nicht mehr

Bleiben wir also aufmerksam, wie schnell sich das Mosaik der Bauformen und Antriebe auf dem Wasser verändert. Und fragen wir alle aktiv nach, welche neuen Antriebe gerade angeboten werden, um unserem Ziel der emissionsfreien Schifffahrt näher zu kommen.

Alle anderen Bilder © Emirates Team New Zealand

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